divorced land texte auf deutsch

bin ich wirklich hier?

rache klopft an meine tür
etwas weniger als auch nur der geruch eines schattens
fällt von meinen händen und streicht dich blaß an
drachen warten darauf auszuatmen
bin ich wirklich hier?

pandora grinst mein blut zu stein
nagt ihre zähne in meinen hals
schuld fliegt durch die modrige luft
zorn und trägheit lösen deine frisur auf
bin ich wirklich hier?

nur ein einziger blick aus deinen augen:
  blut auf dem fußboden
messer, die du ausgesprochen hast,
  gleiten in mich hinein, und du willst mehr

grün und grau werden zu schwarz und weiß
schwerter für immer in meiner seite
rote tränen strömen im neonlicht
  macht die nacht zu einem zu hellen tag
bin ich wirklich hier?

herbstblätter auf kargem land
schlösser, die auf vergiftetem sand gebaut worden sind
der dolch funkelt in deiner hand
nichts mehr, was ich verteidigen wollte, übrig
bin ich wirklich hier?

flecken der angst fegen meinen stolz hinweg:
  ein schloss an der tür
alles entleert, die gezeiten wechseln:
  immer noch willst du mehr

schöne erinnerungen habe ich immer noch in meinem kopf... 
alles entrissen
tage in den wäldern, nächte in den seen,
  gänseblümchen, rosen, nadel und faden
alles entrissen

worte, die auf zeichen meiner angst warten
attentäter, die bei verurteilung wegen schwäche töten werden
besser als ich
teuflischer sadismus lauert mich zurück an aus deinen augen
dämonen beschmieren deine lippen mit ihren lügen
besser als ich

nur ein blick aus deinen augen, blut auf dem fußboden
alles entleert, die gezeiten wechseln: immer noch willst du mehr

fühle, wie ich tief drinnen blute,
  tiefrote tropfen reflektieren deine augen
schrei
alles entleert, die gezeiten wechseln,
  schlage auf dem boden auf, beende den flug
schrei

versprich die welt und gebe, was du erreichst
jungfrauen werden vamps, mörder werden heilige
gier in deinen augen

apathie gähnt, bewegung stirbt
so viel wahrheit hinter deinen lügen versteckt
keine prinzessin, kein leuchtend schöner ritter mehr
dein bühnenscheinwerfer auf mich besteht aus vorwurf und schuld

rache klopft an meine tür
etwas, so rot wie nereus' schicksal
tropft durch deine kleider und streicht mich bleich an
der schrecken wächst,
  aber meine tränen versagen mir den dienst 
bin ich wirklich hier?

top

ein schritt weiter

erblicke mich, fühle, wie mein atem dein fenster bewölkt
regentropfen schälen den staub von meiner haut
höre mich, wie ich deinen namen durch die feuchte scheibe rufe
der wind bläst, aber das ende will einfach nicht anfangen

augen glühen und tun so, als ob sie das alles nicht bemerkten
ein kaminfeuer lodert, aber dein tee ist kalt geworden
lügen fliessen und ein amboß liegt wartend da
finstere gedanken und eine seele sind gerade verkauft worden

einen schritt weiter, einen schritt zu weit
wirst nicht weiter gehen, bleib, wo du bist

ein auge vergießt eine träne im nachtschatten
aber ich drehe mich um und vergesse
nachzuschauen, wie sie auf den gehweg trifft
mein schicksal lügt mir keine tränen mehr auf den weg

laß mich alleine, laß mich von hier weglaufen, aber du da,
halte abstand, du hast dich nicht blamiert, aber bleibt da
schlaf deinen schlummer in deinem traumwirrwar, dein retter
hat seine durchbohrte pose verlassen und zahlt dem schicksal sein starren
jetzt heim

einen schritt weiter, einen schritt zu weit
wirst nicht weitergehen, bleib, wo du bist
einen schritt weiter: das ist es, wo wir sind

ungesehene fesseln klirren zu boden, die nacht bricht herein
jetzt bin ich dabei zu suchen, was ich gefunden habe, die strasse ruft
ich lasse trägheit und verzweifelung hinter mir, der himmel wächst
der sonnenaufgang trifft meine füsse auf dem boden, immer noch bläst der
wind...

einen schritt weiter, einen schritt zu weit
wirst nicht weitergehen, bleib, wo du bist
einen schritt weiter: das ist es, wo wir sind

es war einmal, da lebten wir unsere leben in einem liedchen
es gab eine zeit, in der wir wußten, was falsch war
wir waren jung und aufrichtig in unseren herzen
aber irgendwo ist immer eine weggabelung, an der wir uns trennen müssen
starte neu

unser grund, eure gründe - wir teilten einen traum
aber das, was wir gemeinsam fühlten, ist aus den nähten geplatzt
wir fühlten, wie die zeit sich an uns vorbeidrängte
spannung türmte sich auf und wuchs so hoch, dass sie den himmel einreissen
ließ

bleibt, wo ihr seid, unsere entscheidung
ist einen schritt zu weit, eure stimme
ertrinkt in den sternen, meine freunde
wir machen uns auf nach jenseits des endes

wir haben einen ort gefunden, an den wir gehören
haben einen schritt gemacht, haben uns aus der masse hervorgetan
liessen hinter uns, was wir eben hinter uns lassen mußten
alles war gut, so lange es dauerte, aber...

bleibt, wo ihr seid, unsere entscheidung
ist einen schritt zu weit, eure stimme
ertrinkt in den sternen, meine freunde
wir machen uns auf nach jenseits des endes

berühre mich, halte mich, leg deine hand in meine
hilf mir zu vergessen
fühle mich, halte mich in sicherheit an deiner schulter
wiege mich in süße träume

bleibt, wo ihr seid, unsere entscheidung
ist einen schritt zu weit, eure stimme
ertrinkt in den sternen, meine freunde
wir machen uns auf nach jenseits des endes

top

das gewicht des windes

das blitzlicht hat dir geradewegs durch dein glitzerherz geschossen
die bewegungen der leute um dich rum zerfallen
du kotzt einen strom aus gier und gelächter aus
dreh dich schneller

du lernst, dass deine augen unglücklich aussehen,
  aus den still werdenden blicken
du findest heraus, dass deine flinke entflammung
  anerkennung entzündet
ein gossen-ballsaal zu deinen dreckigen füßen
wie rohes fleisch

du bewegst dich langsam, wie du mich langweilst,
  bewegst dich ja so langsam...

phosphor ertrinkt in atemlosen zigarettenqualm
der prinz der dienstagnacht versaut seinen witz
kitzel' phantasien, bis sie
  in vergewaltigung [auch: ganz hingerissen] schreien
feuchtigkeit

ich könnte deine welt nie teilen,
  plötzlich ist sie zu absurd
manchmal kann auch tanz lahmen,
  manchmal st-st-stottert deine diktion
deine fußschritte zischen nie,
  küssen nie den rhythmus
schisma

hier drinnen ist alles sehr still
fließend wie der wind in meinem verbrannten haar
sich verlagernd wie der winter durch glatzköpfige bäume

mein ganzes leben lang bin ich heute nacht
ich wachse wie ein krampf in deiner rechten hand
ich erblühe wie das geschiedene land des winters

frustration führt dich zum wissen
verbrenne dein lachen freudlos

hier drinnen also ist es echt ganz ok
mitleidslos wie die nadel in deinem auge
einscheidend so tief wie freunde,
  wenn du sie beim lügen erwischst

wut gibt dir wissen
pack die sterne weg freudlos

die tanzfläche zerbricht deine knochen
  und lacht laut los
der staub kriecht hoch in deine lunge,
  du stotterst husten
dein kopf platzt auf,
  getroffen von verräterischen fußtritten
sonnenuntergang

du bewegst dich langsam, wie du mich langweilst,
  bewegst dich ja so langsam...
ich bewege mich langsam, wie ich mich langweile,
  bewege mich ja so langsam...

top

zerschnitten [diskutiert]

fußschritte zerreißen
  die spinnenweben einer nacht
herzklopfen verblassen
  in an haut verzerrtem schwarzlicht
lies geschlossene augen und
  sähe deine lügen ins wie-lange-auch-immer
"falls" ist "warum" und
  flüstern schreit deinen verwundeten kern heraus
eine worthure

deine wahrheit brennt in deinen augen
  und substantive bringen meinen namen durcheinander
verben kriechen bettelnd,
  adjektive lassen echos deiner vorwürfe zerbrechen

glaubensbekenntnisse der leidenschaft
  bilden in krummem rhythmus deinen schmerz heraus
sengender atem bleicht bilder,
  die in den himmel hinein verblassen

die sterne als dein spiegel,
  schwarz wie silber, geborgtes leben
durch phrasen vergiftete flüsse,
  fliessendes zittern, geschärfte messer

deine eloquenz ist eingetrocknet
deine so lebendigen sätzchen zerschnitten
verkleide den inneren moder
zerschneide [diskutiere] das letzte "halt es drin,
  ernte in dir drin, halt den sterblichen schmerz"

deine veränderungen schmilzen zu "dasselbe"
du stirbst an deinen errungenschaften
deine kälte ertränkt dein ziel
deine erschossenen worte verlieren das spiel

wüsten seufzen in trauer,
  während sie weiter anschwellen
felsen verbieten den letzten infektiösen schrei
verkrustete blutströme unter dem stillen sand
durst vergißt hunger zerrinnt zwischen deinen händen

top

laufe

schlafe, denn jetzt traust du dich noch
halt deine augen hübsch geschlossen - du machst das ganz schön
atme und fühle, wie dein herz schlägt
der frieden wird nicht länger andauern als deine träume

weiter, ich muss weiter,
nicht umdrehen, renne und halt den rücken gekrümmt
denn es ist mir auf den fersen
und sein atem streichelt mich schon
feucht, so nah und es bedrängt mich

schneller, ich muss schneller laufen,
oder es überholt mich, und ich werde vergangenheit / überholt worden
[past-passed] sein
oh mein gott, es ist so schnell
mein herz ist aus glas, wie lange wird es dauern?
knie beugen sich und tun weh und
füße brennen und stampfen im nassen sand
bluten und hinterlassen eine fette, vergossene spur
scheinend, seine nüstern stellen sich neu ein
auf ein rennen hin brennend in monströser geschwindigkeit

was ist es bloß, ein mensch, ein tier?
warum ist es nur hinter mir her?
ein schatten, grotesk, unvollständig
es keucht und krächzt einen spruch
es lauert, baut sich hoch auf, webt eine zelle
für meine gedanken in blasenwerfender hölle

los, ein stolpern, einfach los, ein zweig hängt zu tief
ruder, ruder dein boot 
  [row, row, row your boat: bekanntes Kinderlied im engl.sprachigen Raum]
nein, die sonne ist immer noch da oben
langsam wächst sie und füllt die luft
ho!, phoebus' rötender, heller 
wagen, weit von seinem hort, zerreiß ihn, sei fair,
verschone ihn nicht
dein blick ein speer

mein blut gefriert, als ich weiterhaste
sein geruch schleimt eiter aus die ganze zeit über
röstet mein gehirn in meilenlangen zangen

blitze, beängstigend wütet der sturm
donner, unter druck, nicht zu versagen
blasendes, glühendes feuer, der himmel
brennend, wühlender pfeil in deinem auge

immer noch: hinter mir dieser wille, mich zu blenden und zu töten
ein geist, nur existent, um mein leben zu verschütten, um seinen durst
auszuquetschen,
immer noch am leben: die beute, ein fluch füllt die luft
wer bezahlt, wessen börse
klingelt, wessen silber singt
wer ist es, der diese jagd zu einem ende bringt?

sünden, die ich bereue, tränen, fallend, sterben
der weg verschwimmt, meine schritte schwanken, mein schrei:
wer bist du? warum, antworte!, warum?

top

geleugnet

du erfüllst den himmel heute nacht mit deinem atem
obwohl dein chemisches gehirn immer noch schläfrig ist
das leben wartet in deiner tasche
denke nicht, ich würde die flecken
  auf dem spiegel einfach übersehen
manchmal vergesse ich, wer du warst, 
wenn du mir sagst, dass dein herz in stille schlägt
starr mich an mit deinem leeren auge
und ich finde keine linie mehr in deiner handfläche

zeitalter gleiten dahin,
  wenn ich dein gesicht ausschau halte
hast du in meine richtung gesehen,
  als ich deinen blick erhaschen wollte?

du erhellst [zündest an - light] dein leben zu asche,
die phoenix nicht mehr kennenlernen wird
zieh deine lebens-linien sorgfältig
es ist der geist im spiegel, den du zu bannen suchst
nasenbluten - hast du durst? - 
fühle, wie die hitze
  das blut deines schmerzes austrocknen läßt
überschall-cyber-liebe,
  aber deine freunde betreten deine höhle nicht

alte lügen grinsen in meine richtung
  und du gleitest durch deine phantasien
kalk läßt dein gesicht wieder lebendiger aussehen,
  während du dein erbe leugnest
kopfschmerzen überfluten deine tage,
  die doch fürsprecher für dein schicksal sein sollten
hast du in meine richtung gesehen,
  als ich nach deinem selbstbewußtsein gegriffen habe?

stolz sehen wir, wie das niedere leben heraussickert
ein weggeworfener, zum fraß vorgewerfen
frag nach e, und dann mittenrein
ertrinke in deinen auf immer so lauten träumen

und du grinst dein dementi an
aber du betest um selbstmord
lächle deinen tod, schneide deinen atem geradewegs ab
halte deinen kopf raus in die nacht

lange, bevor die wahrheit dein kopfkissen ertränkt
schleicht sie sich in deine kopfschmerzen
  durch deine geschlossenen augen
vergessen und gelangweilt
  haben sich deine herzschläge aus deinem leben verabschiedet
zitternd wie der nordwind in der nacht

schreib es an deine schlafzimmerwände
liebe bringt nur lügen hervor
all deine pläne zerbrochen auf dem ungewischten boden gestapelt
erinnerungen fallen in deinen venen in ohnmächte, 
alle diese jahre hindurch bist du gestorben
und mein kuss weist dir die tür

halt sie klein, die veränderungen an deiner türschwelle
du kannst nicht leugnen, wozu du hergekommen bist
atme es tief ein, das nichts, das dein lächeln so bewundert
aber du kannst nicht leugnen, wozu du hergekommen bist

ich werde nicht bleiben und dir dabei zusehen,
  wie du dein eigenes blut aussaugst
ein vampir, der den saft des lebens gar nicht schmecken kann
winke zum abschied all denen zu, die sich weiterbewegen
wir werden an dich denken als jemand,
  den wir fast in erinnerung behalten hätten

sieh, wie deine freunde aufgeben,
die du für viel zu ausgemergelte gedanken verkaufen mußtest
dein gelächter bringt dich zum fliegen
dein gelächter, das doch eigentlich nur aus schreien besteht

ich werde nicht bleiben und dir dabei helfen,
  deine eigenen augen zu blenden
aschfahl in ihren höhlen wie ausgebrannte feuer
winke zum abschied all denen,
  die sich an diesem deinem grab vorbeibewegen
wir denken an dich als jemanden,
  den wir zurückgelassen haben
halt sie klein, die veränderungen an deiner türschwelle
du kannst nicht leugnen, wozu du hergekommen bist
atme es tief ein, das nichts, nach dem du sich so sehnst
aber du kannst nicht leugnen, wozu du hergekommen bist

du kannst nicht leugnen, warum du hier bist

top